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Ayurveda Öle: Ratgeber zu Wirkung und Anwendung

Öle zählen im Ayurveda zu den wertvollsten Nahrungs- und Heilmitteln. Ob zum Kochen, für Ölmassagen, zum Ölziehen, als Gesichts- oder Haaröl: Der Ayurveda kennt für jeden Bedarf und jedes Dosha das richtige Öl. Aber woher weißt Du, welches Öl am besten zu Dir passt? Hier erfährst Du alles über die wichtigsten ayurvedischen Öle sowie ihre Wirkung und Verwendung.

Ayurveda Öle: Eine Wissenschaft für sich

Je nachdem, welchen Ernährungstrends man folgt, werden im Westen entweder Kohlenhydrate oder Fett verteufelt. Der Ayurveda, das wahrscheinlich älteste Heilsystem der Welt, hat eine deutlich entspanntere Sicht auf Makronährstoffe: Alle sind wichtig, alle haben eine bestimmte Wirkung auf Körper, Geist und Seele. Wie viel wir davon essen sollten, hängt vor allem von unserer individuellen ayurvedischen Konstitution ab.

Auf Fette und Öle zu verzichten, ist aus ayurvedischer Sicht kaum vorstellbar. Die einzige Ausnahme: Bei Ama oder einer Kapha-Störung kann es sinnvoll sein, die Zufuhr für eine Weile auf ein Minimum zu reduzieren. Das liegt daran, dass fettige Substanzen ähnliche Eigenschaften haben wie Kapha. Sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet können Öle eine Kapha-Störung und die Bildung von Ama verstärken.

Im richtigen Maß helfen Kapha-verstärkende Lebensmittel uns aber dabei, Ojas aufzubauen. Ojas steht für unsere Gesundheit, Immunität und Vitalität. Öle und Fette wirken äußerst nährend und stärkend auf die Körpergewebe (Dhatus). Sie binden Giftstoffe und helfen dem Körper, sich zu entspannen und regenerieren. Im Ayurveda verwenden wir Öle zum Kochen und Backen, für Ölmassagen, Bäder, Spülungen und Einläufe sowie als Träger und Verstärker von Heilpflanzen (Anupana).

Welches Öl für welchen Zweck?

Öl ist aber nicht gleich Öl: Je nachdem, wofür Du es verwenden möchtest, eignen sich unterschiedliche Varianten. Beim Kochen unterstützt das richtige Öl die Verdauung, verstärkt wertvolle Inhaltsstoffe und balanciert die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha. Genau wie alle anderen Lebensmittel können auch Öle und Fette die einzelnen Doshas ausgleichen oder verstärken. Ghee, also geklärte Butter, ist das wahrscheinlich wichtigste Fett der Ayurveda-Küche. In der richtigen Dosis eignet es sich für alle Doshas.

Für die äußerliche und medizinische Anwendung bietet der Ayurveda eine unglaubliche Vielfalt an Ölen. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Basisölen und medizinischen Ayurveda-Ölen. Typische Basisöle sind zum Beispiel Kokosöl, Mandelöl, Sesamöl, Sonnenblumenöl, Senföl oder Rizinusöl. Sie bilden die Grundlage für die ayurvedischen Ölrezepturen und beeinflussen ihre Wirkung.

Medizinisches Öl herzustellen, ist ein sehr aufwendiges Verfahren. Traditionell werden dafür zunächst Heilkräuter-Bestandteile zerkleinert und entsaftet und anschließend in den Basisölen zubereitet. So entstehen kraftvolle Ölmischungen, mit denen der Ayurveda verschiedene Störungen und Beschwerden behandelt. Die Charaka Samhita, eine der wichtigsten Schriften des Ayurveda, beschreibt mehr als 100 medizinische Öle.

Die wichtigsten Basisöle im Ayurveda

Das meistverwendete ayurvedische Öl für die äußerliche Anwendung ist das Sesamöl. Medizinische Ölmischungen heißen im Ayurveda Tailam oder Thailam: Dieser Begriff geht auf „Tila“ zurück – so heißen Sesamsamen in Sanskrit.

Für medizinische Öle verwendet der Ayurveda allerdings kein handelsübliches Sesamöl, sondern eine gereifte und erhitzte Variante. Dieses Sesamöl durchdringt das Gewebe besonders gut und hat stark nährende Effekte. Außerdem nimmt es die thermische Wirkung der Heilpflanzen an, mit denen es kombiniert wird: Je nach Ölmischung kann es deshalb erwärmend oder kühlend wirken.

Medizinische Ayurveda-Öle, die auf Kokosöl basieren, tragen den Namen Keram – denn Kera ist der Name der Kokospalme. Kokosöl hat von Natur aus eine kühlende Wirkung. Indem man es mit erhitzenden Kräutern kombiniert, kann man diese Effekte etwas ausgleichen. Trotzdem eignet sich Kokosöl besonders für Ölmischungen, die das Pitta Dosha reduzieren sollen.

Senföl passt (in kleinen Mengen) vor allem zu Menschen, die viel Kapha in ihrer Konstitution haben. Wie schon erwähnt, sollten Kapha-Typen mit Ölen und Fetten insgesamt etwas sparsamer umgehen als die anderen beiden Doshas. Senföl hat aus ayurvedischer Sicht eine anregende und durchblutungsfördernde Wirkung: Eigenschaften, die das Kapha Dosha etwas ausgleichen können. Auch Vata profitiert von den erhitzenden Effekten des Senföls – nur für Pitta-Typen ist es eher nicht optimal.

Als besonders wertvoll gilt im Ayurveda medizinisches Ghee. Ghee ist eines der wichtigsten Anupanas im Ayurveda, weil es die Wirkung anderer Substanzen intensiviert und sie tiefer in das Gewebe transportiert. Daneben gilt Ghee als wertvolles Rasayana, das uns hilft, ein langes und gesundes Leben zu führen. Mischungen aus Ghee und speziellen Heilkräutern sind deshalb ein kraftvolles Heilmittel der Ayurveda-Medizin.

Ayurvedische Körper- und Massageöle

Ölmassagen wie Abhyanga sind ein wichtiger Bestandteil der Ayurveda-Therapie: Sie wirken nährend, entspannend und entgiftend. Ganz besonders wertvoll sind Massagen mit warmem Sesamöl, um ein Vata-Ungleichgewicht zu reduzieren.

Eine professionelle Ölmassage ist eine wundervolle Erfahrung. Wenn Du magst, kannst Du sie aber auch zu Hause selbst durchführen. Die alten ayurvedischen Schriften empfehlen, den Körper jeden Morgen mit Öl einzureiben und zu massieren. Das soll Blockaden lösen und die körpereigenen Reinigungsprozesse unterstützen. Sehr angenehm ist auch eine leichte Fußmassage vor dem Schlafengehen: Damit hilfst Du Deinem Körper, sich vom Stress des Tages zu lösen und in einem sanften Nachtschlaf zu gleiten.

Arbeite mit einem Basisöl, das zu Deiner Konstitution passt – oder wähle ein medizinisches Ayurveda-Öl. Die darin enthaltenen Kräuter können die Wirkung unterstützen. Auch bestimmte körperliche und psychische Beschwerden kannst Du mit den richtigen Ölen reduzieren. Aus ayurvedischer Sicht dringen Thailams tief in die Gewebe ein und beeinflussen die Organe und das Nervensystem.

Bei manchen Menschen trocknen häufige Ölmassagen die Haut aus. Wenn Du merkst, dass es Deiner Haut nicht guttut, ist es besser, auf tägliches Einölen zu verzichten. Indem Du nach der Ölmassage duschst und Dich anschließend eincremst, kannst Du die trocknenden Effekte etwas abmildern.

Ayurveda-Öle für Gesicht und Haare

Wenn Du weißt, was Dein Dosha-Typ ist, kannst Du entsprechend ein Öl auswählen, das Dir zu mehr Balance verhilft.

  • Für Pitta-Typen eignen sich Kokosöl, Sonnenblumenöl, Olivenöl und Ghee am besten
  • Das Vata Dosha profitiert von Sesamöl, Mandelöl und Ghee
  • Kapha-Typen können kleine Mengen Senföl, Rizinusöl oder Ghee verwenden – noch besser als Ölmassagen sind aber oft Kräutermassagen oder Garshan-Behandlungen mit einem Seidenhandschuh

Wie fast immer im Ayurveda geht es dabei natürlich um die Feinheiten. Statt pauschale Aussagen zu treffen, wählen Ayurveda-Therapeuten immer das Öl, das am besten zum Menschen und seiner aktuellen Situation passt.

Grundsätzlich gelten die Öl-Empfehlungen für Ölmassagen genauso wie beim Kochen und für andere äußerliche Anwendungen. Natürlich nutzen wir Öle im Ayurveda auch für die Gesichtspflege: Trockene, kalte Vata-Typen brauchen meistens erwärmende Öle mit schweren, nährenden Eigenschaften. Das hitzige Pitta mag es kühler und profitiert von Gesichtsölen, die Heilkräuter gegen Unreinheiten und Entzündungen enthalten. Kaphas setzen Öle generell besser sparsam ein und sorgen durch passende Kräuter für eine durchblutungsfördernde Wirkung.

Sehr beliebt sind im Ayurveda außerdem Massagen für Haare und Kopfhaut. Öle können dabei helfen, die Haarstruktur zu glätten, die Hautbarriere zu stärken und Probleme wie Juckreiz oder Schuppen zu lindern. Zu den wichtigsten Heilkräutern in ayurvedischen Haarölen zählen Amalaki (Amla) und Brahmi (Bacopa monnieri). Amla gilt als effektives Stärkungsmittel bei dünnem und brüchigem Haar. Brahmi reinigt und beruhigt die Kopfhaut und sorgt für eine bessere Durchblutung. Viele Haaröle enthalten auch Neemöl, weil es gegen Parasiten und Pilzen schützt und überschüssige Talgproduktion eindämmt.

Welches Öl zum Ölziehen?

Wichtig zu wissen ist aber, dass Öle aus ayurvedischer Sicht fettlösliche Giftstoffe binden. Auch, wenn uns das aus westlicher Sicht zunächst seltsam erscheint, solltest Du nach der Ölmassage immer duschen, um die Giftstoffe abzuspülen. Dasselbe Prinzip gilt übrigens auch beim ayurvedischen Ölziehen: Spuck das Öl nach spätestens 15 bis 20 Minuten aus und putze Dir anschließend die Zähne. So kannst Du Dir sicher sein, dass Du die Toxine aus Deiner Mundschleimhaut entfernt hast.

Ölziehen gehört fest zu jeder ayurvedischen Morgenroutine. Regelmäßiges Ölziehen regt den Stoffwechsel an, stärkt das Zahnfleisch und beugt Karies vor. Das hilft Deinem Körper, Ama auszuleiten – oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Klassischerweise verwenden wir im Ayurveda zum Ölziehen Sesamöl. Gute Alternativen sind Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Kokosöl. Wenn Du magst, kannst Du auch einen Tropfen ätherisches Pfefferminzöl zugeben: Gerade Anfänger finden das oft etwas angenehmer.

Fazit: Ayurveda Öle für jeden Bedarf

Der Ayurveda liebt Öle – und das zu Recht! Innerlich oder äußerlich verwendet haben Öle die Kraft, die Doshas zu harmonisieren, die Gewebe zu nähren und Störungen zu beseitigen. Wenn Du weißt, welches Öl zu Deiner Konstitution passt, kannst Du es zum Beispiel zum Kochen verwenden oder Dir regelmäßige Ölmassagen gönnen.

Medizinische Öle, die mit Heilkräutern versetzt wurden, können zudem eine therapeutische Wirkung erzielen. Auf Ölmassagen und andere Ölbehandlungen verzichten solltest Du, wenn Du Ama oder sehr viel Kapha in Dir hast. Dasselbe gilt bei akuten Infekten und Entzündungen, während der Periode und in den ersten Monaten der Schwangerschaft.

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