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Pitta-Zeit, Pitta-Balance: Ayurvedisch leben im Sommer
Im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten zu leben, ist eines der Grundprinzipien im Ayurveda. Als Menschen sind wir Teil unserer Umgebung: Das Klima, in dem du dich gerade aufhältst, beeinflusst das Gleichgewicht der Doshas in deinem Körper. Der Sommer ist aus Sicht des Ayurveda Pitta-Zeit – Ziel ist es also, das heiße Dosha auszugleichen. Zum Glück hat der Ayurveda Tipps und Tricks parat, wie du auch im Sommer einen kühlen Kopf bewahrst.
Ritucharya: Im Rhythmus der ayurvedischen Jahreszeiten
Im Ayurveda, der „Wissenschaft des Lebens“, geht es immer um das große Ganze. Das bedeutet auch, dass wir Menschen nie isoliert betrachten, sondern immer als Teil ihrer Umgebung sehen. Gesundheit und Wohlbefinden entstehen aus Sicht des Ayurveda, wenn wir im Einklang mit uns selbst und den fünf Elementen leben. Weil Natur gleich Veränderung ist, ist diese Balance ein fließender Prozess: Ayurvedisch zu leben, heißt, die natürlichen Schwankungen wahrzunehmen und auszugleichen.
Die Wirkung der Jahreszeiten spielt im Ayurveda eine besonders große Rolle. Ritucharya heißt die Kunst, die eigenen Routinen an die Saison anzupassen. In jeder Jahreszeit dominieren bestimmte Gunas (Eigenschaften) – entsprechend teilt der Ayurveda das Jahr in Vata, Pitta- und Kapha-Zeit ein. Etwa von Februar bis Mai herrscht das Kapha Dosha, Juni bis September ist Pitta-Zeit und Oktober bis Januar werden dem Vata-Dosha zugeordnet.
Du fragst Dich, was das für Dich bedeutet? Ganz einfach: Die Bedingungen, in denen Du lebst, beeinflussen das Gleichgewicht der Doshas in Dir. Bist Du zum Beispiel ein Vata-Typ, der zu trockener Haut, Kälte und Flatterhaftigkeit neigt, dann kann ein kalter, windiger Wintertag diese Tendenzen verstärken. Viele von uns haben in der kalten Jahreszeit intuitiv das Bedürfnis, warm zu essen und mehr Zeit zu Hause zu verbringen. Übrigens fühlen sich viele Vata-Menschen zu tropischen, feuchtwarmen Klimazonen hingezogen – ein weiteres Zeichen dafür, dass wir oft genau wissen, was uns fehlt.
Sommerzeit ist Pitta-Zeit
Die Sommermonate ordnen wir im Ayurveda dem Pitta-Dosha zu. Wann genau die Pitta-Zeit beginnt und endet, lässt sich nicht pauschal beantworten: Erstens kommt es darauf an, in welcher Klimazone Du lebst, zweitens erlebt man manchmal auch im Juli einen kühlen und feuchten Tag.
Ein schwülheißer Sommertag wäre der Inbegriff eines Pitta-Tages. Trockene Hitze verstärkt Pitta und Vata, kühle und feuchte Tage haben eher Kapha-Qualitäten. Fest steht aber: Im Sommer ist das Risiko deutlich höher, dass Pitta aus der Balance gerät.
Pitta entspricht im Ayurveda den Elementen Feuer und Wasser. Da Gleiches Gleiches verstärkt, können heiße Sommertage das Feuer in Dir so richtig zum Lodern bringen. Das ist prinzipiell nichts Schlechtes, kann aber auch zu viel werden. Ein Pitta-Überschuss äußert sich zum Beispiel durch starkes Schwitzen, Kopfschmerzen, Hautreaktionen oder eine vermehrte Entzündungsneigung im Körper.
Vielleicht ist Dir schon mal aufgefallen, dass viele Menschen bei großer Hitze schneller frustriert, ungeduldig, gereizt oder sogar aggressiv reagieren – auch das sind typische Symptome einer Pitta-Dominanz. So schön Sonnenbaden und Grillfeste mit Freunden auch sind: Manchmal laufen wir im wahrsten Sinne des Wortes heiß. Im Ayurveda versuchen wir deshalb, in heißen Sommern für eine bessere Pitta-Balance zu sorgen.
Pitta senken, Agni stärken
Besonders stark beeinflusst Dich der Sommer, wenn Du ohnehin viel Pitta in Deiner Konstitution hast. Wie schaffen wir es also, dass das brodelnde Feuerelement Dich im Sommer nicht ausbrennt? Ganz einfach: Indem wir uns darauf konzentrieren, die dominanten Eigenschaften auszugleichen. Mithilfe unserer Ernährung und unseres Lebensstils verstärken wir die Qualitäten, die dem Pitta Dosha fehlen. Die Gunas süß, bitter, kühl und adstringierend (herb) eignen sich besonders gut, um die Pitta-Balance wiederherzustellen.
Wichtig ist allerdings, dass wir dadurch unser Agni nicht zu sehr schwächen. Agni, unser „Verdauungsfeuer“, hat viele ähnliche Eigenschaften wie Pitta: Wir brauchen die Flamme in uns, um sowohl unser Essen, als auch unsere Eindrücke und Emotionen richtig zu verdauen. Pitta und Agni hängen zwar eng zusammen, gerade im Sommer müssen wir die beiden aber separat betrachten.
Im Gegensatz zum Pitta Dosha nimmt die Kraft von Agni im Sommer nicht zu-, sondern ab. Je heißer es draußen ist, desto schwächer ist Dein Agni. Anders, als Du vielleicht vermutet hättest, ist es deshalb keine gute Idee, ein zu starkes Pitta mit tonnenweise Eiscreme, Rohkost und kalten Getränken auszugleichen. Solche extremen Maßnahmen würden Dein Agni löschen – und das führt aus ayurvedischer Sicht dazu, dass Krankheiten entstehen können.
Sanfte Pitta-Ernährung im Sommer
Gehörst Du zu den Menschen, die an heißen Tagen meistens weniger Hunger haben? Dann hast Du ein gutes Bewusstsein für die Signale Deines Körpers. Während der Pitta-Zeit unterstützt Du Dein Wohlbefinden am besten mit leicht verdaulichen Mahlzeiten, die einen sanft kühlenden Effekt auf Dein System haben. Snack und Zwischenmahlzeiten kosten Dein Agni sehr viel Kraft: Gerade im Sommer ist es deshalb gut, Deiner Verdauung zwischen den Mahlzeiten eine Pause zu gönnen.
Wenn es doch mal ein Snack sein muss, eignen sich zum Beispiel frische Früchte gut. Besonders gut für mehr Pitta-Balance sind zum Beispiel Trauben, Mango, Bananen und Melonen. Auch als leicht verdauliches Frühstück an heißen Tagen sind Früchte eine tolle Alternative zu Porridge und Co. Für die anderen Mahlzeiten empfiehlt der Ayurveda im Sommer zum Beispiel leichte Reisgerichte, Suppen und Eintöpfe – gerne mit Gewürzen, die Deine Verdauung unterstützen. Schwer verdauliche Rohkost wie Salat isst Du am besten nur mittags in kleinen Portionen.
Die besten Lebensmittel für die Pitta-Zeit:
- Melonen
- Mangos
- Trauben
- Banane
- Datteln
- Gurke
- Avocado
- Kokos
- Blattsalate (besonders die bitteren Sorten)
- Reis
- Kräuter (zum Beispiel Koriander und Petersilie)
Vorsicht, heiß: Diese Lebensmittel verstärken Pitta
Sehr heiße, scharfe und saure Produkte empfehlen wir Dir im Sommer nicht. Sie heizen Dein Pitta noch weiter an. Auch wenn es Dir vielleicht schwerfällt: Ein scharf gewürztes Steak vom Grill mit Bier dazu ist aus ayurvedischer Sicht keine besonders gute Sommermahlzeit. Trotzdem ist das natürlich ab und zu mal in Ordnung. Wenn Du aber merkst, dass Dein Pitta gerade sehr stark ist, bist Du mit gegrilltem Gemüse und einem leichten Joghurtdip wahrscheinlich besser dran.
Um Dein Agni zu schonen, ersetzt Du eisgekühlte Getränke besser durch zimmerwarme. Falls Dir das komisch vorkommt, denk mal an die Wüstenstaaten der Welt: Die meisten Menschen dort trinken auch bei größter Hitze den ganzen Tag lang warmen Tee.
Lebensmittel, die Pitta-Hitze verstärken:
- Kaffee
- Alkohol
- Tomaten
- Zitronen
- Essig
- Rotes Fleisch
- Chili
- Meerrettich
- Senf
Pitta-Balance: Ayurvedisch leben im Sommer
Neben der Ernährung hält der Ayurveda noch viele weitere Tipps für die Pitta-Zeit bereit. Eine Empfehlung lautet zum Beispiel, etwas früher aufzustehen (idealerweise etwa zum Sonnenaufgang) und direkt mit der ayurvedischen Morgenroutine zu beginnen. Zum Ölziehen eignet sich bei erhöhtem Pitta Kokosöl besonders gut, weil es eine kühlende Wirkung hat. Statt einer heißen Dusche raten wir Dir, den Hahn lieber auf eine lauwarme Temperatur zu drehen.
Wenn es sehr heiß ist, machen wir bei manchen ayurvedischen Grundregeln gerne mal eine Ausnahme. Eigentlich sollte ja das Mittagessen die größte Mahlzeit des Tages sein. Im Sommer darfst Du Deine Hauptmahlzeit aber ruhig etwas später einnehmen. Ähnlich der spanischen Siesta ist es im Sommer auch tagsüber okay, sich mal kurz hinlegen. Das erhöht zwar das Kapha Dosha, aber das ist im Sommer ja durchaus in unserem Sinn. 22 Uhr ist im Sommer die ideale Zeit, um abends ins Bett zu gehen.
Mit den sportlichen Aktivitäten solltest Du es an heißen Tagen lieber nicht übertreiben. Falls Du gerne joggst oder andere sehr fordernde Sportarten machst, verlegst Du Dein Training am besten auf die kühlen Morgenstunden. Spaziergänge, Radfahren und Yoga sind natürlich auch im Sommer eine gute Idee. Du solltest Dich einfach nicht zu sehr verausgaben: Höre dabei unbedingt auf Deinen Körper.
Wenn wir es ganz genau nehmen, meint der Ayurveda damit übrigens auch Sexualität – denn auch diese Art der körperlichen Ertüchtigung feuert Dein Pitta an und schwächt Deine Energiereserven. Das heißt aber natürlich nicht, dass Du in die Sommermonate im Zölibat verbringen musst. Starre Regeln gibt es im Ayurveda ohnehin nicht: Du weißt am besten, was Dir guttut und was nicht. Wichtig ist nur, dass Du Deine innere Stimme wahrnimmst und ihr folgst.
Fazit: Ayurvedisch leben in der Pitta-Zeit
In den Sommermonaten ist es besonders wichtig, auf Deine Pitta-Balance zu achten. Besonders, wenn Du von Natur aus viel Feuer in Dir hast, können heiße Tage das Gleichgewicht der Doshas stören. Eine Pitta-Störung zeigt sich zum Beispiel durch Kopfschmerzen, Hautprobleme und Streitlust.
Weil Dein Agni im Gegensatz zum Pitta Dosha bei Hitze schwächer ist, achten wir gerade im Sommer auf frische und leicht verdauliche Nahrungsmittel. Frisches Obst, schonend gegartes Gemüse und mild gewürzte Reisgerichte eignen sich dafür am besten. Scharfe, saure und heiße Lebensmittel sowie kalte Getränke setzt Du hingegen lieber sparsam ein.
Zusätzlich unterstützt Du Dein System, indem Du etwas früher aufstehst und ins Bett gehst – und Dich beim Sport nicht überforderst. Wenn Du Dich an die Rhythmen der Natur anpasst, statt gegen sie zu arbeiten, kommst Du entspannt und mit kühlem Kopf durch den Sommer. Mit etwas Achtsamkeit spüren wir viele dieser Dinge ohnehin ganz intuitiv.
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